Im November 1957 löste Erich Mielke den damaligen Minister für Staatssicherheit, Ernst Wollweber, in seinem Amt ab. Unter seiner Verantwortung vollzog sich ein Wandel in der Stasi. Beispielsweise verdoppelte sich die Zahl der Hauptamtlichen bis zum Mauerbau 1961 auf ca. 30.000 Mitglieder und die Zahl der Spitzel stieg auf rund 100.000 an. Am Ende der DDR gab es 91.000 Vollzeitkader und ca. 180.000 inoffizielle Mitarbeiter.
Mielke legte den Fokus besonders auf Repressionen gegenüber inneren oppositionellen Kräften: Regimegegner und politisch Andersdenkende wurden als Staatsfeinde betrachtet und mussten entsprechend bekämpft werden, was durch den Mauerbau noch begünstigt wurde, da die Oppositionellen nicht abwandern konnten.
Die Stasi durchdrang aber auch die Wirtschaft und staatliche Institutionen. Dies hatte teilweise absurde Auswüchse, so ließ Mielke, der ein begeisterter Fußballfan war, seinen Verein BFC Dynamo in einem eigentlich verlorenen Spiel so lange weiterspielen, bis sie ein Tor durch einen dubiosen Elfmeter in der 95. Minute schossen.
Dies hatte jedoch noch eine gewisse unfreiwillige Komik, ganz im Gegensatz zu seinen gezielten Tötungsaktionen. So wurde der ehemalige DDR-Bürger Michael Gartenschläger beim wiederholten Versuch, eine Selbstschussanlage abzumontieren, erschossen. Dies änderte sich jedoch, als Erich Honecker 1971 Generalsekretär des Zentralkomitees der SED wurde. Das MfS durfte immer weniger als politische Schläger-, Folter- und Mördertruppe auftreten, die Partei bestand auf weniger öffentlichkeitswirksame Methoden. Dass die Stasi nun mehr zum Spionieren eingesetzt wurde, war gegen Mielkes Interessen.
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